18.07.2013

Sankovitch, Nina: Tolstoi und der lila Sessel

Bild BuchtippSankovitch, Nina: Tolstoi und der lila Sessel
Berlin: Ullstein. 2012. 287 S.
ISBN 978-3-86220-027-6
16,99 Euro

Dieses Buch ist die Schilderung einer Trauerverarbeitung und gleichzeitig ein Buch über Bücher. Die Erzählerin Nina ist die Tochter polnischer Einwanderer und lebt mit Ehemann Jack und vier Kindern in Illinois. Sie hat Jura studiert, jedoch verbindet alle Mitglieder ihrer Familie eine große Liebe zur Literatur.

 Als ihre ältere Schwester an Krebs erkrankt, hofft und leidet sie mit ihr. Der Tod der Schwester trifft sie hart und sie fragt sich auch noch zwei Jahre nach dem Tod, wie andere Menschen nach dem Verlust eines nahe stehenden Menschen weiterleben. Die Antwort auf diese Frage hofft sie in der Literatur zu finden. Die Lebensfreude ist ihr abhanden gekommen und sie versucht ihre Trauer durch hektische Aktivitäten zu ersticken, was ihr allerdings nicht gelingt.

 Um neue Kraft zu tanken nimmt sie sich eine  Auszeit vom Alltag und beschließt jeden Tag ein Buch zu lesen und eine anschließende Beurteilung zu schreiben.  Die Familie hat Verständnis für diesen Wunsch und unterstützt sie darin.

 Ihr Lieblings-Leseplatz ist ein alter lila Sessel. Viele Stunden am Tag lässt sie nun Haushalt, Kinder und Katzen unbeachtet und vertieft sich ganz in ihre Lektüre, dabei werden Erinnerungen der eigenen Biographie und der ihrer Eltern in ihr wach. Die Einschübe aus ihrem Leben, gekoppelt an die Erfahrungen der Protagonisten der Geschichten, werden sehr emotional geschildert. Natürlich räumt sie auch der verstorbenen Annemarie dabei einen großen Platz ein.

 Am Ende ihres Lese-Jahres bemerkt sie, dass die Lektüre der Bücher ihr geholfen hat, den Riss zu flicken, der durch den Tod der Schwester in ihr entstanden ist. Ihr Fazit ist, dass es immer Leid und tragische Ereignisse geben wird und Bücher dem Leben einen Spiegel vorhalten. Sie bemerkt, dass wirkliche und erfundene Erfahrungen wichtig seien, weil sie uns zeigen, wie wir leben könnten. Die Erzählung zeigt uns, dass Bücher Medizin für seelische Verletzungen sein können.

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