2.07.2021

Eine ganze Welt. Goldie Goldbloom

Hoffmann & Campe 2021. 288 Seiten
ISBN: 978-3-455-00901-9
24,00 Euro

Suri Eckstein ist 57, sie ist schwanger mit Zwillingen. Als wäre das nicht schon Herausforderung genug, Suri lebt in einer chassidischen Gemeinschaft in Williamsburg, einem Stadtteil von New York. Etwa 80.000 ultraorthodoxe Juden, Satmarer Chassiden, die ursprünglich aus Ungarn und Rumänien stammen, wohnen dort. Ihre Sprache ist Jiddisch mit englischen Einsprengseln.

Das Leben der Chassidim gestaltet sich nach strengen Vorgaben. In dieser Parallelwelt gibt es von Klein auf eine Geschlechtertrennung; Jungen und Mädchen gehen in verschiedene Schulen, Männer und Frauen nutzen separate Ein- und Ausgänge der Synagoge, Hochzeitsfeiern finden getrennt statt. Die Männer tragen lange schwarze Mäntel und Schläfenlocken, die Frauen Kleidung, die den Sittsamkeitsvorschriften entspricht: Knie und Ellbogen müssen bedeckt sein. Ihre Schuhsohlen werden gerne mit Filzscheiben versehen, um keine Klack-Geräusche wie von Stöckelschuhen zu verursachen. Verheiratete Frauen rasieren nach der Hochzeit ihre Haare und tragen fortan Perücke oder Kopftuch. Kinderreichtum ist erwünscht. Die Gemeinschaft hat eigene Handwerker, Sanitäter und sogar Polizei. Bricht ein Gemeindemitglied die geltenden, strengen Regeln, wird es verbannt, jeglicher Kontakt abgebrochen, sein Name darf innerhalb der Familie nicht mehr genannt werden.

„Eine ganze Welt“ gibt einen tiefen Einblick in die Welt dieser Glaubensgemeinschaft. Anfangs ist es wegen der vielen jiddischen Worte ein wenig mühsam, in die Geschichte einzutauchen, aber es lohnt sich.

SL

Birgit Drosten-Vater

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